Miteinander unterwegs auf den Straßen unserer Gemeinde

Vorschaubild Verkehr

Arbeitskreis schlägt Tempo-30-Zonen vor und präsentiert Verkehrsleitbild.
IHRE Meinung ist gefragt!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
parteiübergreifend hat der neu gewählte Gemeinderat das Ziel formuliert, neue Formen der Bürgerbeteiligung und des Dialogs zu schaffen. Hieraus entstanden sind bis Dezember drei Arbeitskreise. Diese befassen sich mit den Themen Natur & Umwelt, Energiewende sowie Verkehr & Mobilität. Der letztgenannte Arbeitskreis hat in den zurückliegenden Monaten ein Konzept erarbeitet, um dem von vielen Bürgerinnen und Bürgern artikulierten Wunsch nach einer Verkehrsberuhigung zu entsprechen. Ein gutes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer - mit Motor und ohne - steht dabei im Mittelpunkt. Was der Arbeitskreis konkret erarbeitet hat, möchten wir Ihnen in diesem Beitrag vorstellen. Ein Augenmerk legen wir dabei auf die möglichen Tempo-30-Zonen.

WICHTIG: Der vom Arbeitskreis erarbeitete Vorschlag sieht NICHT vor, aus dem ganzen Gemeindegebiet eine Tempo-30-Zone zu machen. Vielmehr werden diese - analog zu anderen Gemeinden - vorgeschlagen für klassische Wohngebiete, etc. AUSGENOMMEN sind Kreisstraßen (rot), überörtliche Straßen (orange), Gewerbegebiet (blau) und Einzelstraßen (grün), wo wie bisher Tempo-50 gelten würde (Ausnahme: Bereich um die Schule bzw. besonders gefährliche Stellen). Die Farbangaben beziehen sich auf die auf der Gemeindehomepage veröffentlichte Karte. 

EBENSO WICHTIG: Corona verhindert leider, dass wir z. B. in Form einer Bürgerversammlung von Angesicht zu Angesicht manche Frage diskutieren können. Wir wollen Ihnen darum VOR einem politischen Votum des Gemeinderats die Gelegenheit geben, Ihre Meinung hinsichtlich möglicher Tempo-30-Zonen auf Anlieger- bzw. Gemeindestraßen zum Ausdruck zu bringen. Insofern bitten wir alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, uns per E-Mail (gemeinde@tuerkenfeld.de) oder per Brief (Gemeinde Türkenfeld, Schlossweg 2, 82299 Türkenfeldbis 15.01.2021 Rückmeldung zu geben. Ihre E-Mails und Briefe werden wir verwaltungsseitig 1:1 an alle Gemeinderatsmitglieder weitergegeben und im 1. Quartal 2021 die Meinungsbildung im Ratsgremium zum Abschluss bringen.  

Als Bürgermeister ist es mir ein Herzensanliegen, diese uns alle betreffende Diskussion möglichst sachlich zu führen. Mehr noch: Es geht NICHT darum, z. B. Fußgänger gegen Autos oder Fahrräder gegen LKWs auszuspielen. Wie im Leitbild beschrieben, ist das GUTE MITEINANDER der verschiedenen Verkehrsteilnehmer unser Ziel. 

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldungen! 

Es grüßt herzlich
Emanuel Staffler
Erster Bürgermeister

Wie schon die Überschrift sagt, sind Türkenfelds Anwohnerstraßen durch ein Mitein­ander verschiedener Verkehrsteilnehmer geprägt, da es nur wenige Straßen mit Gehweg gibt. Ob (Schul-)Kinder, Senioren, Personen mit Rollator oder Kinderwagen, Fahrradfahrer, Motorradfahrer, Autofahrer oder landwirtschaftlicher Verkehr, alle tei­len sich eine Fläche und wünschen sich ein sicheres, gleichberechtigtes und harmo­nisches Miteinander.

Wie gut dieses Miteinander funktioniert, wird sehr unterschiedlich beurteilt. Die Mei­nungen gehen von „es wird doch bereits angemessen gefahren“, „50km/h sind eine sinnvolle Geschwindigkeit für Wohngebiete mit oder ohne Gehweg“ bis zu „es wird viel zu schnell gefahren“. Da es in den vergangenen Jahren immer mehr Anträge auf Temporeduktion in Anwohnerstraßen gab und auch das Ergebnis der Bürgerbefra­gung zum Verkehr widerspiegelt, dass sich Anwohner eine geringere Geschwindig­keit in ihren Straßen wünschen, beschloss der Gemeinderat in der Sitzung vom 13.09.2017 einstimmig Möglichkeiten zur Aufstellung eines ganzheitlichen Verkehrs­konzepts zu erheben. Basierend darauf wurde die Firma Schlothauer & Wauer mit der Erstellung eines Verkehrskonzepts beauftragt, welches Ende 2019 dem Ge­meinderat und der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Um konkrete Maßnahmen zu er­arbeiten, hat die Arbeitsgruppe Gemeindestraßen das Thema i. R. des Arbeitskreises Verkehr aufgenommen.

Im Folgenden soll beschrieben werden, wie die AG bei der Erarbeitung von Vorschlä­gen für Maßnahmen in Anwohnerstraßen vorgegangen ist.

Zunächst wurde das im Kasten dargestellte Leitbild erarbeitet, um sich an ge­meinsam festgelegten Regeln orientieren zu können. Im nächsten Schritt wurden die folgenden Fragen betrachtet:

Frage 1: Nachdem die Meinungen über die in den Anwohnerstraßen gefahrenen Ge­schwindigkeiten weit voneinander abweichen, war die erste Frage: Wie schnell wird denn tatsächlich gefahren? Hierzu wurden die Ergebnisse von Verkehrsmessun­gen (Dauer eine Woche) in mehreren Straßen herangezogen. Die folgende Tabelle zeigt die V85 (85% der Fahrer halten diese Geschwindigkeit ein, 15% überschreiten sie), die maximal gefahrene Geschwindigkeit Max V, Anzahl der Fahrzeuge und der Fahrräder.

AK Verkehr Tabelle

Frage 2: Wie schnell sollte gefahren werden? Wie die Bürgerbefragung und die Anträge an die Gemeinde zeigen, gibt es Wünsche aus der Bürgerschaft, das Tempo zu verringern. Was aber ist der gesetzlich vorgegebene Rahmen? An dieser Stelle geben die StvO (Straßenverkehrsverordnung) und die EFA (Richtline „Empfehlungen zu Fußgängerverkehrsanlagen“) Antworten:

  • § 45 Abs 1c StVO: Die Straßenverkehrsbehörden ordnen ferner innerhalb ge­schlossener Ortschaften, insbesondere in Wohngebieten und Gebieten mit hoher Fußgänger- und Fahrradverkehrsdichte sowie hohem Querungsbedarf, Tempo 30-Zonen im Einvernehmen mit der Gemeinde an.
  • In Wohnstraßen kann auf separate Gehwege verzichtet werden, „wenn eine Belastung von 50 Kfz in der Spitzenstunde (500 Kfz/24h) nicht überschritten wird.“ Aber auch dann sollten „mäßige Fahrgeschwindigkeiten sichergestellt werden“ (EFA, 3.1.2.3, vgl. 3.1.1)

Daraus lässt sich ableiten, dass aus Sicht von für Straßen zuständigen Institutionen 30km/h als angemessene Geschwindigkeit für Wohngebiete angesehen wird. Die zum Teil bei den Fahrern vorliegende Wahrnehmung, dass in den Anwohnerstraßen bereits heute ausreichend langsam gefahren wird, ist damit nicht zutreffend: Da 50km/h erlaubt sind, wird auch meist deutlich schneller als die angemessenen 30km/h gefahren. Erstaunlich ist dabei, dass in der Gollenbergstraße, die beiderseits einen Gehweg besitzt, tatsächlich langsamer gefahren wird als bspw. in der Bahnhofstraße oder der Graf-Lösch-Straße, die beide keinen Gehweg haben und nicht besonders breit sind.

Frage 3: Wie schaffen wir es, dass langsamer gefahren wird?

Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Bauliche Maßnahmen: Diese sind sehr wirkungsvoll, aber leider auch sehr teuer und verursachen eine höhere Lärmbelastung für Anwohner.
  • Tempo 30 in einzelnen Straßen, in denen basierend auf den Messungen zu schnell gefahren wird: Der Vorteil dieser Maßnahme ist, dass sie sich auf die Problemstellen beschränkt. Nach Rücksprache mit Landratsamt und Polizei gelten für Tempo 30 Schilder allerdings wesentlich höhere Anforderungen als bspw. für Tempo 30 Zonen d.h. es ist so gut wie nicht möglich Tempo 30 in einzelnen Straßen zu erwirken. Tempo 30 Schilder führen außerdem zu einem Schilderwald, da diese nach jeder einmündenden Straße wiederholt werden müssen. Weiterer Nachteil ist, dass kein einheitliches Bild und keine flächen­deckende Lösung entstehen, was Vorgaben für das Verkehrskonzept waren. Vielmehr entsteht ein Flickenteppich, der angreifbar und unübersichtlich ist.
  • Tempo 30 Zone: Diese werden vom Landratsamt und der Polizei befürwortet (basierend auf der StVo). Es sind wenige Schilder erforderlich und es wird ein einheitliches und flächendeckendes Konzept erstellt. Durch das dort vorge­schriebene rechts vor links, reduziert sich auch automatisch die in den Straßen gefahrene Geschwindigkeit. Allerdings werden gefühlt Maßnahmen angeordnet, die in einzelnen Straßen nicht erforderlich wären, da dort bereits nicht schneller gefahren wird.

Basierend auf den zusammengetragenen Informationen wird von der AG Gemeinde­straßen vorgeschlagen, wie bereits auch in vielen anderen Kommunen (z.B. Mam­mendorf) Tempo 30 Zonen in Türkenfelds Anwohnerstraßen einzurichten.

Ergänzt werden sollen diese um folgenden Maßnahmen:

  • Wiederholte 30 Markierung auf den Straßen, um an die Tempo 30 Zone zu er­innern (ähnlich Wirkung wie die Signaltafeln an den Kreisstraßen).
  • Markierung von Haltelinien an Kreuzungen, um auf rechts vor links aufmerk­sam zu machen.Ausgenommen von den Tempo 30 Zonen sind Kreisstraßen (rot), überörtliche Straßen (orange), Gewerbegebiet (blau) und Einzelstraßen (grün), da diese nicht zu einer Tempo 30 Zone umgestaltet werden können. Der folgende Plan stellt die verschiedenen Straßen dar. Die verbleibenden weißen Straßen stellen die Tempo 30 Zonen und Spielstraßen (rosa) dar.
    Plan Tempo 30 Zonen

Dadurch können die folgenden fünf Tempo 30 Zonen geschaffen werden:

  • Türkenfeld Nordwest
  • Türkenfeld Nordost
  • Türkenfeld Südwest
  • Türkenfeld Südost
  • Türkenfeld Bahnhof

In Zankenhausen kann eine Tempo 30 Zone für die Pleitmannswanger Straße und Seeblickstraße eingerichtet werden.

Da dieser Vorschlag eine sehr großflächige Veränderung für Türkenfeld darstellt und es von großer Bedeutung ist, dass er von der breiten Mehrheit getragen wird, wollten wir Sie alle mit diesem Artikel darüber informieren, wie er Zustande gekommen ist und warum er von uns als beste Lösung gesehen wird. Wir hoffen, dadurch das Mit­einander im Verkehr für alle Verkehrsteilnehmer zu verbessern ,und den an uns her­angetragenen Wünschen aus der Bürgerschaft entgegen zu kommen.

Falls Sie Interesse an der Mitarbeit in einer der AGs des Arbeitskreises Verkehr ha­ben, würden wir uns sehr freuen! Wir treffen uns in regelmäßigen Abständen zu den folgenden Themen:

  • Gemeindestraßen
  • Kreisstraßen
  • Fußwege/Radwege/Feldwege
  • Car Sharing

Genauere Informationen finden Sie unter: https://www.tuerkenfeld.de/ak-verkehr-und-mobilitaet-1

TEXT: Arbeitskreis Verkehr & Mobilität

 

Sichere, umweltschonende, barrierefreie, vernetzte, rücksichtsvolle Fortbewegung“

1) Alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt. Sie können sich auf Straßen und Plätzen sicher fortbewegen und aufhalten.

2) Eine attraktive und bedarfsgerechte Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer soll in- und außerhalb des Orts den Verzicht auf motorisierten Verkehr ermöglichen.

3) Bei Be- und Entlastungen durch den fließenden und ruhenden Verkehr gelten im Ort gleiche Regeln und kein St.-Florians-Prinzip.

4) Bei der überörtlichen Mobilität sind die Belastungen der Anwohner durch Lärm in Ausgleich zu bringen mit den Interessen des Durchgangsverkehrs.

5) Der „Ruhende Verkehr“ findet in erster Linie auf eigenem Grund und Boden statt.

6) Die Nutzung von Flur- und Feldwegen für den motorisierten Freizeitverkehr ist nur in klar definierten Ausnahmefällen zulässig.

7) Neue Mobilitätsformen und barrierefreie Angebote werden ausgebaut.

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