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Die Bademeister von Türkenfeld

Ein kleines Juwel in Türkenfeld ist das Schwimmbad in der Grund- und Mittelschule. Schulkinder, die dort seit 40 Jahren schwimmen lernen und Stammgäste, die dort fast täglich ihre Bahnen ziehen, schätzen das kleine, aber feine Becken in der Türkenfelder Schule.
Genutzt wird es während der Schulzeit jeden Tag. Türkenfelder und Moorenweiser Schüler bekommen hier Schwimmunterricht, aber auch die Kinder der Nachmittagsbetreuung dürfen ab und zu mal in dem Becken planschen. Am Donnerstag gibt es für alle Aqua-Jogging und am Samstag für die älteren Generationen Wassergymnastik.
Montag bis Donnerstag und auch am Wochenende ist das Schwimmbad auch so der Öffentlichkeit zugänglich. Damit dabei niemandem etwas geschieht müssen natürlich Bademeister her, die aufpassen, dass niemand untergeht. Im Moment gibt es sechs davon in Türkenfeld. Einer von ihnen ist Helmut Obländer. Er wohnt seit 35 Jahren in Türkenfeld und ist seit 2000 Bademeister.
Damals haben sich nämlich die gesetzlichen Bestimmungen geändert, die Badeaufsichten müssen jetzt mehr Auflagen erfüllen: So müssen sie zum Beispiel den Rettungsschwimmerschein haben, damit sie eventuellen Herausforderungen während ihrer Schicht gewachsen sind. Auch ein Erste-Hilfe-Kurs ist für die Badeaufsichten Pflicht. Diese Prüfungen müssen sie außerdem alle zwei Jahre wiederholen, um nicht aus der Übung zu kommen. Diese Voraussetzungen konnte der Rentner, der bis dahin die Aufsicht übernommen hatte, nicht erfüllen.
Reinhold Schmid hat sich deswegen 2000 für eigene Türkenfelder Bademeister stark gemacht. Er selbst war damals bei der Wasserwacht in Grafrath tätig. Er gab den Stein des Anstoßes und hatte eine Gruppe Freiwilliger zusammengetrommelt, die seitdem die Aufsichten übernehmen. Seitdem gab es allerdings schon wieder einige Personalwechsel (siehe Kasten).
Helmut Obländer ist immer montags mit der Aufsicht dran. Ihn freut es besonders, wenn Eltern mit ihren kleinen Kindern zum Schwimmen kommen. „Die haben dann immer so eine große Freude, das ist einfach toll." Klar ist aber trotzdem: unter der Woche nutzen vor allem viele Senioren das Schwimmbad, um ein paar Bahnen zu ziehen. „Für die älteren Leute ist es eine tolle Möglichkeit sich sportlich zu betätigen. Vor allem für sie wäre es schade, wenn das Schwimmbad schließen muss." Insgesamt sind die Schwimmer aber alterstechnisch ziemlich gemischt, erzählt er. Es hänge auch immer von der Witterung ab, ob was los sei oder nicht. Durchschnittlich sind pro Abend laut seiner Schätzung rund 15 Schwimmer da. „Mehr sollten es aber auch nicht sein, sonst kommen sie sich im Becken nur in die Quere."
Ähnlich sieht das auch die Dienstagsaufsicht Florian Reinold. Er wohnt eigentlich in Eresing und ist seit 2009 dabei. „Davor bin ich schon immer regelmäßig zum Schwimmen gekommen. Als ich gehört habe, dass sie noch Leute suchen, habe ich gedacht: warum nicht?" Er fährt dienstags sogar extra früher aus der Arbeit aus München raus, um rechtzeitig um 18 Uhr im Schwimmbad zu sein. Der Job mache ihm Spaß und sei zum größten Teil auch nicht besonders anstrengend. Denn: „Meistens passiert ja dann doch nichts – zum Glück. Das Schlimmste das ich mal machen musste, war jemanden mit einem Pflaster zu verarzten."

Mit 16 2/3 auf 8 Meter und einer Tiefe von 96 bis 180 Zentimeter umfasst das Schwimmbadbecken immerhin rund 200 Kubikmeter Wasser. Das sind 200 000 Liter. Der Hausmeister der Schule, Robert Bulkescher, kümmert sich um die Wasserqualität. Dafür muss er dreimal täglich die PH- und Chlorwerte des Wassers überprüfen. „Wenn zu wenig Chlor im Wasser ist, besteht die Gefahr auf Legionellen, ist es zu viel reizt es die Augen und Haut", erklärt er. Außerdem kommt alle zwei Monate noch eine Firma, die weitere Tests durchführt – beispielsweise ob doch irgendwie Bakterien ins Wasser gelangt sind. Bulkescher ist seit drei Jahren Hausmeister an der Türkenfelder Schule. In dieser Zeit habe es noch keine ernsthaften Probleme mit dem Wasser gegeben. Das liegt auch daran, dass es ständig in Bewegung ist. Durch ein Pumpsystem wird das Badewasser praktisch rund um die Uhr durch Tanks im Keller zirkuliert, in denen sich Filter befinden, die das Wasser reinigen. Jeden Tag kommen außerdem rund 4 Kubikmeter frisches Wasser hinzu. Dazu kommt, dass zweimal die Woche der Beckenboden gereinigt wird. Seit zwei Jahren hat Bulkescher dafür jetzt auch Unterstützung von einem kleinen Roboter bekommen, der selbstständig den Schwimmbadboden reinigt. Zuvor musste der Hausmeister das nämlich von Hand mit einem Sauger erledigen. „Das geht jetzt wirklich deutlich besser." In den Sommerferien wird das Wasser dann ganz abgelassen und das Becken gründlich gereinigt. Regelmäßig gibt es auch Untersuchungen, ob und wie das Schwimmbad saniert werden muss. „Irgendwas ist bei so einem Schwimmbad immer", erklärt er. Jetzt gerade wurde das Mauerwerk des Schwimmbeckens untersucht. Der Bericht über die Ergebnisse der Untersuchung liegt allerdings zum Redaktionsschluss noch nicht vor. Der Hausmeister glaubt aber nicht, dass akute größere Mängel vorliegen. Für die Zukunft wird es dennoch nicht ganz ohne Investitionen gehen. Bulkescher ist trotzdem optimistisch: „Man muss sich da einfach Schritt für Schritt vorarbeiten. Schließlich sind große Sanierungsaktionen immer auch eine Kostenfrage. Denn so ein kleines Schwimmbad finanziert sich nicht selbst. Am Ende bleibt es an der Gemeinde hängen."
Die Gebühren für die Eintritte (2,50 Euro für Erwachsene, 2 Euro für Kinder), die die abendlichen Schwimmer selbstständig in den Kassenschlitz werfen (sollen) – zusammen mit Zuschüssen vom Schulverband für die Nutzung der Schulklassen – reichen bei weitem nicht für den Unterhalt des Bads aus. Im Endeffekt zahlt die Gemeinde natürlich trotzdem drauf. Bürgermeister Pius Keller schätzt: „Im Jahr sind es wohl rund 70 000 Euro, die für das Schwimmbad an laufenden Kosten anfallen." Sanierungen noch nicht mit eingerechnet. Trotzdem möchte man sich jedoch bemühen, den Bürgern das Schwimmbad auch in Zukunft zu erhalten.

Text: Ruth Konrad
ursprünglich eröffentlicht in der TiB